Jeder Hundehalter hat persönliche Beweggründe und Vorstellungen bei der Anschaffung eines Hundes. Manche Hunde sollen einen „Beruf“ als Jagdgehilfe, Diensthund, Herdengebrauchshund… ausüben. Die meisten Hunde sollen einfach „nur“ Familienhund sein. Was vor der Anschaffung eines Hundes stehen sollte, sind Überlegungen über Bedürfnisse des (ausgewählten) Hundes, seiner Rassezugehörigkeit, seiner Herkunft und seine Passung in die Lebensverhältnisse, in denen er künftig sein Leben verbringen soll! Eine Antwort ist vielschichtig, individuell  und manchmal nicht einfach! Welche Überlegungen können vorab hilfreich sein? Sich selbst gegenüber, bei all den Fragen, eine ehrliche Antwort zu geben, ist wohl das hilfreichste zur Findung der richtigen Entscheidung.

Rassehund oder Mischling?

Jede Salatgurke beim Discounter um die Ecke hat ein besseres Qualitätsmanagement, hat mehr echte Kontrollen hinter sich, als der Welpe eines Rassehundes.“

(Christoph Jung: Schwarzbuch Hund. Die Menschen und ihr bester Freund)

Das regt mehr als zum Nachdenken an! Man sollte meinen, dies sei doch einfach nur eine Frage des Geschmacks? Es ist weitaus mehr! Hilfreich ist es, sich vorab zu informieren, welches die ursprünglichen Zuchtziele der jeweiligen Hunderasse waren oder auch heute noch sind. Genetik ist nicht einfach wegzudiskutieren, auch wenn es innerhalb einer Rasse eine individuelle Vielfalt gibt! Aus den ursprünglichen Zuchtzielen ergeben sich zwangsläufig Verhaltensweisen beim Hund, die er mit hoher Wahrscheinlichkeit auch zeigen oder entwickeln wird. Denn: genau dafür wurde er gezüchtet. Kann ich mit diesen Verhaltensweisen umgehen? Passen die Verhaltensweisen in meine Lebensverhältnisse und meinen Lebensstil? Bin ich der Typ Mensch, der mit diesen Verhaltensweisen umgehen kann? Durch Erziehung und Training kann auf hundliche Verhaltensweisen Einfluss genommen werden. Jedoch nicht alle Verhaltensweisen des Hundes sind durch Erziehung und Training „wegzuerziehen“, sondern sind Teil seiner Veranlagung und Eigenart!

Bully-Bashing, oder: Die Qualzucht-Rassen Französische Bulldogge, Englische Bulldogge und Mops von Ralph Rückert …zum Link … weiterlesen

!Ein Kurzfilm des MDR,

der sich allemal lohnt VORM Hundekauf anzuschauen!  „So leiden Hunde unter ihrer Zucht“

Hund aus dem Ausland?

Die meisten Menschen treffen diese Entscheidung, um einem in Not geratenen Hund zu helfen. Dieser Gedanke ist sehr nachvollziehbar! Aber wie in allen Themenbereichen sollten auch bei einem Hund aus dem Ausland diverse Fragestellungen beachtet werden. Auf gar keinen Fall sollte man einen Hund lediglich aufgrund eines mitleiderregenden oder gar niedlichen Fotos, bewegender Beschreibung im Internet direkt aus dem Ausland importieren lassen. Aufgrund eines Fotos oder einer vagen Beschreibung kann nicht beurteilt werden, ob dieser Hund zum einen in das künftige Lebensumfeld passt oder er sich wirklich durch eine Umsiedlung wohl fühlen wird bzw. überhaupt anpassen kann! Viele Hunde mit „Migrationshintergrund“ können sich in unser Umfeld hervorragend einpassen. Es gibt jedoch schlicht und einfach auch Hunde, deren Anpassungleistung durch den Import vollkommen überfordert wird! Das ist kein Tierschutz! Es gibt seriöse und fachkundige Tierschutzvereine, die im Auslandstierschutz tätig sind. Die Kehrseite davon: Es gibt auch viele Tierschutzorganisationen, die häufig durch Mitleid geleitet handeln und nicht die nötige Kompetenz und Sachwissen besitzen. Dies herauszufiltern und zu beurteilen, gestaltet sich für einen Laien sehr schwierig. Hilfreich kann sein:

  • Der Hund befindet sich auf einer Pflegestelle und es besteht die Möglichkeit diesen mehrfach zu besuchen und kennenzulernen, um selbst ein „Gespür“ für den jeweils ausgewählten Hund zu bekommen
  • Der Interessent wird bei einer Entscheidung gegen den Hund NICHT verurteilt
  • Der Interessent bekommt die Eigenschaften des Hundes umfänglich und unverblümt beschrieben
  • Die Einfuhrbestimmungen wurden eingehalten. Der Hund ist geimpft und tierärztlich belegt untersucht
  • Die Organisation ist Ansprechpartner und hilft bei möglicherweise auftretenden Schwierigkeiten
  • Die Organisation hat genügend Pflegestellen im Hintergrund einen vermittelten Hund im Notfall wieder zurückzunehmen
  • Im Tierschutz Tätige sollten sich zum Thema Hundeverhalten fundiert weitergebildet und Sachkenntnisse erworben haben. Nicht jedem Hund im Ausland geht es schlecht!!!
  • Die sogannten, möglichen „Reisekrankheiten“ des Herkunftlandes sollten dem Tierschutzverein bekannt sein. Der Halter sollte hierüber sachkundig aufgeklärt werden können
  • Verhaltensweisen eines Hundes sollten sachlich beschrieben werden. Nicht alle Verhaltensweisen eines Hundes resultieren aufgrund vermuteter Misshandlungen!
  • Die jeweilige Tierschutzorganisation unterstützt VOR ORT Verhältnisse zu verbessern
  • Kaufen Sie keinen Hund verabredet aus dem „Kofferraum eines Autos“ heraus! Hier steckt Geldmacherei dahinter! Sie unterstützen nicht das Tierwohl, sondern die Machenschaften unseriöser und skrupelloser Verkäufer!

Ist Auslandshund gleich Auslandshund? Nein! Ganz sicher nicht! Das Herkunftsland spielt eine enorm bedeutende Rolle! Hunde entwickeln Verhaltensweisen u. a. in Anpassung an Umweltgegebenheiten und das Lebensumfeld, in das sie hinein geboren werden. Dies ist für einen Hund aus Rumänien ein anderes als aus Spanien, exotisch und fragwürdig sind der Import aus fernen Ländern wie Dubai, Thailand, Südafrika etc. Sie werden dort für unterschiedliche Arbeitsgebiete eingesetzt und auch anders gehalten als das bei uns der Fall ist. Das muss nicht immer zwangsläufig schlecht sein! Ein komplett anderes Leben und andere Umgebungs- und Lebensbedingungen als in hiesigen Verhältnissen und eine mögliche Überforderung der Anpassungsfähigkeit des Hundes kann hieraus resultieren.

Häufig genug werden Hunden aus dem Ausland eine bestimmt Rasse untergeschoben bzw. Rassemixe. Dies rührt meist auf einer Vermutung, wenn der Hund optisch einer Rasse ähnelt. Hier kommt es meist zu Fehleinschätzungen! Wer dann einen Labradormischling erwartet und einen Hund mit Wacheigenschaften bekommt, wird vermutlich enttäuscht sein.

Wer einen Hund aus dem Ausland beabsichtigt zu holen, sollte genau hinschauen und sich VORHER informieren.

Buchempfehlung:

  • Stefan Kirchhoff: Streuner! Straßenhunde in Europa
  • Dr. Udo Gansloßer (Hrsg.): Hunde aus dem Ausland
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